Zwischen Krise und New Work

Es gibt derzeit wohl wenige Jobs, die so viel Verantwortung mit sich bringen wie der von Annika Illmer. Sie steuert HDI als Leiterin des Konzernkrisenstabs durch die Pandemie und organisiert gleichzeitig mit „NewWork@HDI“ die Arbeitswelt von morgen.

Dass da etwas Großes auf sie zurollen würde, das spürte Annika Illmer das erste Mal in den Straßen von Tel Aviv. Sie hatte gerade ihren alten Job aufgegeben und tat das, was sie am liebsten macht, wenn es die Zeit erlaubt: Mit dem Rucksack durch die Welt reisen. Ein paar Wochen waren es noch, bis Annika Illmer bei der HDI Group anfangen sollte. Als Leiterin der Betriebsorganisation und damit auch als Verantwortliche für den Konzernkrisenstab. Der kam bis dahin meist nur dann zusammen, wenn wieder eine Übung anstand. Doch hier in Israel, in den Städten und auf dem Land, war Corona längst angekommen. Und ihr völlig klar: Dieses Virus wird sie nicht mehr loslassen. Einen Tag bevor Israel alle Grenzen abriegelte, flog sie außer Landes.

HDI Group attraktiver gestalten

Es gibt derzeit wohl wenige Jobs im Konzern, die so viel Verantwortung mit sich bringen wie der von Annika Illmer. Mit Anfang 30 steuert sie die HDI Group in Deutschland zusammen mit den anderen Mitgliedern des Krisenstabs durch die Pandemie. Von den Entscheidungen dieses Teams hängt nicht zuletzt die Gesundheit aller Mitarbeitenden und die Betriebsstabilität ab. Und gleichzeitig organisiert sie als Leiterin der Betriebsorganisation das, was kommt: Die neue Arbeitswelt in Deutschland nach der Krise. Mit „NewWork@HDI“ muss sie Antworten finden auf die Fragen, wie, wo und wann die Mitarbeiter in naher Zukunft arbeiten. Eine Mammutaufgabe. „Ich schaue auf den Menschen, auf die Technik, auf die räumliche Umgebung. Zusammen mit den Geschäftsbereichen bauen wir gerade ein Rahmenwerk, um die HDI Group für alle Mitarbeitenden, auch die kommenden, attraktiver zu gestalten. Und um auf das gut vorbereitet zu sein, was durch Corona massiv beschleunigt wurde: Digitalisierung, Agilität und schnelle Lösungen für die Bedürfnisse unserer Kunden.“

Veränderungen gestalten

Wer einen Termin mit Annika Illmer machen möchte, der braucht ein bisschen Glück, wenn er es eilig hat. Ihre Tage sind durchgetaktet, aber das ist sie gewohnt. Sie startete in der Chemieindustrie eine duale Ausbildung. Neben der Arbeit studierte sie Betriebswirtschaft, lernte abends und an Wochenenden, und krönte das Ganze mit einem MBA in Shanghai. Später wechselte sie zur AXA, verdiente sich ihre Sporen als Vorstandsassistentin und stieg danach gleich in eine Führungsposition auf. Dann aber hatte sie „Bock auf Neues“, um es mit einem Claim der AXA zu sagen, und heuerte bei HDI an. „Für mich taten sich große Chancen auf“, begründet sie diesen Schritt. „Ich habe wahnsinnigen Spaß, Veränderungen zu gestalten. Und dafür ist meine neue Position ideal.“

Vor allem deshalb, weil praktisch jeder Mitarbeiter in Deutschland mit der Betriebsorganisation in Berührung kommt. Wer an seinem Arbeitsplatz all die Programme findet, die er zum Arbeiten braucht, der hat das auch Annika Illmers Team zu verdanken. Die Kollegen gestalten das Berechtigungsmanagement mit den Fachbereichen. Sie sind Hüter sauberer Prozesse im Unternehmen, begleiten tiefgreifende Veränderungen durch Projekte wie „NewWork@HDI“ in Deutschland, fahnden nach Verbesserungspotenzialen und arbeiten daran, sie auch zu heben. „We create [new] solutions“ haben sich die Kollegen als Leitmotiv ersonnen.

Plötzlich mittendrin

Als Annika Illmer ihren Arbeitsvertrag unterschrieb, war Corona nur wenigen Menschen in Europa ein Begriff. An ihrem ersten Arbeitstag steckte Deutschland mitten im ersten Lockdown. Kälter kann das Wasser kaum sein, in das sie gesprungen ist. Ohne die Menschen und Prozesse im Unternehmen zu kennen, war sie plötzlich mittendrin im Geschehen. „Ich wusste, dass ich mich auf meine Kollegen im Krisenstab verlassen kann, um das Unternehmen gemeinsam durch die Krise zu steuern.“ Der Kreis besteht aus rund 20 Personen, die alle ihre Expertise mitbringen: Von der IT-Security über Personal und die Inneren Dienste bis hin zu Kommunikation und Recht. „Mir ist diese Teamarbeit enorm wichtig“, sagt Annika Illmer. „Ein Einzelner kann die Bewältigung der Pandemie nicht wuppen. Wir ringen gemeinsam um die beste Lösung und treffen dann als Team eine Entscheidung.“ Die Leitung des Konzernkrisenstabs blieb solange in den Händen ihres Vorgängers, bis sie viele Teile der Organisation kennenlernen und sich einarbeiten konnte. Im Januar hat sie die Rolle komplett übernommen.

Irgendwann, wenn es wieder möglich ist, möchte Annika Illmer noch einmal nach Israel zurückkehren. Das Wandern auf den Golan-Höhen, die Fahrten mit dem Zug übers Land. Für all das wird sie sich wieder Zeit nehmen. Nach Corona.